Schwertabwehr (tachidori) - Ryūsuikai Aikibudō

Der Schwerpunkt des Ryūsuikai Aikibudō liegt auf der Nahkampfmethode aiki-jūjutsu. Hierbei werden rund 180 Techniken in Form festgeschriebener Serien (kata) vermittelt, die in vier übergeordnete Kataloge gegliedert sind.

Shoden: Die Übungsformen der Grundstufe umfassen Wurf- und Hebelverfahren sowie Schlag- und Festhaltetechniken. Diese gewährleisten eine solide Grundausbildung für den Zweikampf und bilden das Fundament nachfolgender Stufen. Charakteristisch für die shoden sind Techniken wie ippondori („Fangen eines Arms“) oder seoinage („Wurf über die Schulter“).

Chūden: Die Techniken der Mittelstufe zementieren die erlernten Verfahren und erweitern diese um komplexere Methoden des Nahkampfes. Charakteristisch für die chūden sind Techniken wie makizume („Eindrehendes Verkeilen“) oder takiotoshi („Vom Wasserfall stürzen“).

Okuden: Die den Fortgeschrittenen vorbehaltenen Übungsformen umfassen Kombinationstechniken sowie Verfahren zur Verteidigung gegen mehrere Gegner und zur Abwehr bewaffneter Angriffe. Charakteristisch für die okuden sind Techniken wie wakikujiki („Zerschmettern der Flanke“) oder shirahadori („Fangen der blanken Klinge“).

Kaiden: Es handelt es sich um im Geheimen überlieferte Verfahren und Methoden, welche die letztgültigen Lehrinhalte (gokui) der Schulrichtung darstellen. Die Verfeinerung und Reifung technischer Fähigkeiten sowie die Vervollkommnung des Charakters stehen hier im Mittelpunkt.

Die Techniken des Ryūsuikai Aikibudō beruhen auf dem Zusammenspiel sechs wesentlicher Faktoren. Im Einzelnen zählen dazu Blickführung (metsuke), Distanz (maai), Atmung (kokyū), Destabilisation (kuzushi), Geistesgegenwart (zanshin) sowie Etikette (reigi). Höchstes Ziel ist die Verwirklichung des Ideals nagaremizu-no-koto. Vereinfacht ausgedrückt bedeutet dies, dass sich der Kämpfende allzeit wie fließendes Wasser verhält. Gilt es doch in Japan als höchstes aller Elemente: Wasser kann unendlich weich und zugleich hart wie Fels sein, es kann Hindernisse umspülen oder selbige niederreißen. Hierauf ist auch der Name der Schulrichtung zurückzuführen.

Aus der Übertragbarkeit zugrundeliegender Prinzipien resultiert ein umfassendes budō-System. So ist der Umgang mit verschiedenen Waffen integraler Bestandteil vorgenannter Technikkataloge. Dazu gehören Kurzstock (tanbō) und Langstock () ebenso wie Eisenfächer (tessen) und Dolch (tanken). Beispielhaft genannt seien hier charakteristische Techniken wie iwakudaki („Zertrümmern des Felsens“) und uranami („Brechende Welle“).

Erweitert werden die praktischen Lehrinhalte durch die Tradierung philosophischer Aspekte und die Übermittlung historischer Wissensbestände. So etwa spielt der militärische Leitspruch fūrinkazan des berühmten Feldherren Takeda Shingen eine tragende Rolle bei der Konfrontation mit dem Gegner, in sinngemäßer Übersetzung:

„Geschwind wie der Wind, sanftmütig wie der Wald, verheerend wie das Feuer, unerschütterlich wie der Berg." (Kōyō Gunkan)

Das Ryūsuikai Aikibudō zeichnet sich aus durch inhaltliche Tiefe und eine stringente Systematik.