Ellbogenhebel (karamizume) - Ryūsuikai Aikibudō

Abseits von Kampftechniken mit Stock, Eisenfächer und Dolch liegt der Fokus des Ryūsuikai Aikibudō auf dem unbewaffneten Nahkampf, genannt aiki-jūjutsu. „Aiki-jūjutsu ist kein aikidō!“, heißt es gemeinhin. Begründet liegt dies im unterschiedlichen Verständnis von Kampf als solchem sowie in der jeweils spezifischen Methodik und der Ausführungsweise von Techniken. Neben der unverkennbaren Ähnlichkeit, die auf der gemeinsamen Entwicklungsgeschichte beider Systeme beruht, gibt es dennoch markante Unterschiede.

Während im aikidō vornehmlich Einzeltechniken und deren Anwendung im freier Kombination trainiert werden, gestaltet sich die Übung des aiki-jūjutsu grundlegend anders. Wenn auch das aiki-jūjutsu vorgenannte Trainingsmethoden kennt, steht hier jedoch das traditionelle kata-geiko im Mittelpunkt. Dabei handelt es sich um die Übung komplexer Technikserien (kata), in denen verschiedene Kampfszenarien simuliert werden. Techniken und Prinzipien werden unter strenger Befolgung festgeschriebener Bewegungsformen eingeübt und in überlieferter Reihenfolge exerziert. Ziel dessen ist es, den Praktizierenden in die Lage zu versetzen, die erlernten Verfahren im realen Kampfgeschehen reflexartig anzuwenden.

Dem äußeren Erscheinungsbild nach wirkt aiki-jūjutsu deutlich martialischer (bu) als aikidō, welches sich eher defensiv und verhältnismäßig abstrakt darstellt. Dies hat dem aikidō den Ruf eingebracht, keine „echte Kampfkunst“ mehr zu sein, sondern eine auf ästhetische Elemente reduzierte Bewegungsdisziplin. Konkret wird dies etwa in der Art, wie Angriffe durchgeführt werden: Im aikidō deutet der explizit als Partner betrachtete Kontrahent Schläge häufig nur an; Greif- und Ringerangriffe erfolgen ohne gesteigerten Krafteinsatz. Im aiki-jūjutsu hingegen werden Angriffe realitätsgetreu ausgeführt, mit dem Ziel dem Gegner größtmöglichen Schaden zuzufügen; zudem leistet der Kontrahent spürbaren Widerstand.

Harte und geradlinige Bewegungen statischen Charakters sowie weiche und kreisförmige Bewegungen dynamischer Natur kommen im aiki-jūjutsu gleichermaßen zum Einsatz. Im aikidō überwiegen tendenziell letztgenannte Bewegungsarten. Des Weiteren wird im aiki-jūjutsu ein Schwerpunkt auf die Verwendung effektiver Schlag- und Tritttechniken (atemi) gelegt, die von kraftvollen Kampfschreien begleitet werden. Im Unterschied zum aikidō spielen außerdem Selbstfallwürfe und Strangulationstechniken eine nicht unwesentliche Rolle.

Das „In-Einklang-bringen widerstreitender Kräfte“ (aiki) ist sowohl im aikidō wie auch im aiki-jūjutsu von zentraler Bedeutung. In dieser Hinsicht unterscheiden sich die beiden Systeme nicht wesentlich voneinander, wohl aber in der Interpretation, mit welchen Mitteln und welcher Zielsetzung aiki verwirklicht wird: Das modernere aikidō strebt die Verwirklichung friedfertigen Handelns an, wohingegen das althergebrachte aiki-jūjutsu in einem dezidiert kriegerischen Setting verwurzelt ist.